Der Schilfrohrsänger

SchilfrohrsängerSchilfrohrsänger - © depositphotos.com @ Sandermeertinsphotography.gmail.com

Der Schilfrohrsänger gehört zur Gattung der Rohsänger, welche im Lateinischen als Acrocephlaus bezeichnet werden. Der Vogel ist vor allem im Südwesten Mitteleuropas beheimatet. Da es sich um einen Durchzügler handelt, trifft man ihn je nach Jahreszeit auch in anderen Teilen Mitteleuropas an.

Aussehen und Physiologie

Vögel dieser Art werden maximal 13 cm lang und weisen eine Flügelspannweite von bis zu 21 cm auf. Das Gewicht des Schilfrohrsängers variiert je nach Exemplar zischen 10 und 15 Gramm. Auf seiner Oberseite ist er braun oder grau, die Bauchseite ist gelblich eingefärbt. Besonders auffällig sind die schneeweiße Kehle sowie der spitzzulaufende Schnabel des Tieres. Hellgraue Streifen über den Augen sowie eine schwarze Kopfdecke zeichnen diese Art aus. Eine weitere Besonderheit: Männchen und Weibchen sehen hinsichtlich ihrer Färbung genau gleich aus. Rein äußerlich sind die Geschlechter nicht voneinander zu unterscheiden.

Vorkommen und typischer Lebensraum

Der kleine Brutvogel kommt vor allem in der borealen bzw. mediterranen Zone sowie in der Steppenzone der Zentralpaläarktis vor. Man findet ihn dort im Tiefland und in unteren Mittelgebirgslagen. Außerdem halten sich vereinzelt immer wieder Exemplare im Nordwesten Europas auf. In Richtung Süden bildet der nördliche Mittelmeerraum dir Grenze der Verbreitung. Außerdem wurden in der Vergangenheit bereits Vögel in Teilen Anatoliens und in Krim, in Aserbaidschan sowie im Norden des Iraks gesichtet.

Da es sich bei den Tieren um sogenannte Langstreckenzieher handelt, sind sie in den Monaten April bis Oktober in ganz Europa unterwegs. Im Winter wechseln die Vögel den Standort und bleiben vor allem in Afrika. Weil die Vögel sehr lange Strecken von bis zu 6.000 Kilometer zurücklegen, verfügen sie über Fettreserven. Normalerweise leben die Tiere vor allem im Schilf oder an dichtbewachsenen Ufergebüschen. Auch in der Nähe von Mooren, Sümpfen oder an Feuchtwiesen fühlen sich Schilfrohrsänger besonders wohl.

Schilfrohrsänger als bedrohte Art auf Roter Liste

Der Schilfrohrsänger ist Bestandteil der Roten Liste, auf welcher alle Arten stehen, die als besonders gefährdet oder gar als vom Aussterben bedroht gelten. Der Bestand unterliegt starken Schwankungen, weil eine erfolgreiche Brutzeit vom Wasserstand in den Brutgebieten abhängig ist. Die Vögel brüten zwischen Mai und Juni. Da die relevanten Gebiete zunehmend vernichtet werden, sind die Tiere zumindest in weiten Teilen ehemaliger Verbreitungsgebieten heute nicht mehr anzutreffen.

Bereits seit 1960 kommt es vor allem im westlichen Mitteleuropa zu einem drastischen Rückgang der Population. Die Populationsgröße liegt heute – im Vergleich zu damals – bei gerade einmal fünf bis zehn Prozent. In solchen Gebieten, welche zunehmen unter Naturschutz stehen, erholt sich die Population allmählich. Diese Bestandserholungen sind jedoch örtlich beschränkt und daher keinesfalls als langfristig zu werten. In Mitteleuropa brüteten in den 2000er Jahren zwischen 315.000 und 590.000 Brutpaare. Der Anteil in Deutschland lag ungefähr bei 17.000 bis 27.000. Exakte Zahlen lassen sich nicht nennen, da die Zählungen auf Beobachtungen beruhen. Anhand der Zahlen von damals ist jedoch eindeutig zu erkennen, dass der Bestand in seiner Gesamtheit drastisch sinkt. Voraussichtlich wird die Population in den nächsten Jahren auch noch weiter zurückgehen, solange die Lebensräume des Schilfrohrsängers nicht besser geschützt werden.