Warum heimische Vogelarten immer seltener werden

Rotkehlchen auf einem AstEs ist wichtig, die Singvögel in Deutschland zu erhalten - © depositphotos.com @ OndrejProsicky

Heimische Vogelarten werden immer seltener. Dies geschieht beinahe unbemerkt. Es scheint zumindest niemandem aufzufallen, dass selbst der gewöhnliche Hausspatz nicht mehr so häufig anzutreffen ist. Obwohl dieser Rückgang des Artenreichtums ein allgemeines Phänomen ist, sind einige spezialisierte Arten besonders betroffen. Das liegt daran, dass sie einen bestimmten Lebensraum benötigen, auf bestimmte Nahrungsmittel angewiesen sind oder bestimmte Nistmöglichkeiten brauchen, um Junge aufziehen zu können.

Die Gründe für den Rückgang aller Vogelarten sind vielfältig, wie man auch bei Gartenbista und dem NABU (Naturschutzbund Deutschland e.V.) nachlesen kann. Bei den meisten spielt der Mensch eine Rolle oder die Auswirkungen, die der Mensch auf seine Umwelt hat.

Verlust des Lebensraums

Jede Vogelart bevorzugt einen gewissen Lebensraum. Wasservögel leben an Gewässern, Wiesenvögel in Wiesen und Waldvögel im Wald. Um die Vogelpopulation stabil zu halten, braucht es also eine vielfältige Natur und Lebensräume, die vom Menschen unberührt sind.

Doch der Mensch neigt eher dazu, seine Umwelt zu zerstören und seinen Bedürfnissen anzupassen, als sie zu erhalten.

Heute ist es fast unmöglich einen unberührten Ort in der Natur zu finden. Wild wachsende Wiesen gibt es nicht mehr. Sie werden mehrmals im Jahr gemäht und der Artenreichtum auf den Wiesen geht zurück. Wälder wachsen nicht naturnah, sondern dienen der Holzernte und werden entsprechend gepflegt und aufgeforstet. Es gibt kaum noch Totholz oder Bäume mit Höhlen.

Gewässer werden zur Fischzucht genutzt und fischfressende Wasservögel sind dabei nicht gern gesehen. Viele Gewässer sind zudem zunehmend durch Pestizide aus der Landwirtschaft belastet.

Zerstörung von Nestern und fehlende Nistgelegenheiten

So wie jede Vogelart einen anderen Lebensraum bevorzugt, haben sie auch Vorlieben bei der Auswahl eines Nistplatzes. Sie nisten in Baumhöhlen, Mauern und Felsen, in hohen Bäumen oder niedrigen Büschen, im Uferbereich von Teichen oder am Boden.

Alle diese Nistmöglichkeiten werden vom Menschen bedroht. Selbst die Kulturfolger unter den Vögeln finden kaum einen Ort, an dem sie ungestört nisten und Junge aufziehen können. Nester an oder in Gebäuden werden von Menschen zerstört. Höhlenbrüter werden dabei auch lebendig eingemauert. Nistbäume werden gefällt, Totholz entfernt. Buschstreifen werden gerodet und Wiesen gemäht, so dass Bodenbrüter keine Chance haben.

Und das alles, obwohl nistende Vögel besonders geschützt sind.

Futtermangel

Nicht nur die Vogelarten gehen zurück. Auch ein allgemeines Insektensterben wird von der Wissenschaft verzeichnet. Schuld daran trägt zum großen Teil die invasive Landwirtschaft, die mit unzähligen Pflanzenschutzmitteln arbeitet. Diese Mittel töten nicht nur Schadinsekten und Unkräuter, sie vernichten die Nahrungsgrundlage von vielen Vogelarten.

Auch die Lebensraumzerstörung trägt ihren Teil dazu bei. So gibt es immer weniger Wildkräuter, von deren Sämereien sich Vögel ernähren. Es sind keine Sträucher mehr zu finden, die Beeren tragen und dabei helfen, die Vögel durch den Winter zu bringen. Lesen Sie bei uns, wie Sie unkompliziert mit Vogelhäusern helfen können.

Jagd durch den Menschen

In Deutschland ist die Vogeljagd eher selten und auf wenige Arten beschränkt. Kleine Singvögel werden so gut wie gar nicht gejagt. Anders sieht es bei Enten- oder Hühnervögel aus. Dennoch ist die Vogeljagd in Deutschland nicht Schuld am Rückgang der heimischen Arten. Dafür gibt es viel zu viele Beschränkungen. Gefährdete Vogelarten dürfen überhaupt nicht gejagt werden.

Anders sieht es bei den Zugvögeln aus. Der Vogelzug führt von Deutschland über das Mittelmeer bis nach Afrika. Und in einigen Ländern ist die Jagd auf Zugvögel in der Tradition fest verankert. Riesige Netze und Fallen werden aufgestellt, um Zugvögel an ihren Ruheplätzen einzufangen. Manche Vogelarten fallen auch Schützen zum Opfer, die sie aus Langeweile zu Hunderten vom Himmel holen.

Raubtiere und invasive Arten

Vögel wurden schon immer von Raubtieren gejagt. Das gehörte zum natürlichen Kreislauf der Natur. Doch auch hier sorgt der Mensch für eine gefährliche Schieflage. Zum einen durch die Haltung von Hauskatzen, die als Freigänger neben Mäusen, auch gern Vögel jagen. Verwilderte Hauskatzen sind für Singvögel besonders gefährlich.

Zum anderen schleppt der Mensch invasive Tier- und Pflanzenarten in Lebensräume ein, in denen sie heimische Arten verdrängen.